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Niederstatistiken

Ich habe mein eigenes Unwort der Woche gekürt: Niederstatistiken. Das bedeutet, jemandem eine Statistik um die Ohren zu schlagen, bis der wissenschaftlich einsieht, was man ihm mitteilen will.
In letzter Zeit geht es heiß her. Täglich fallen über mich Statistiken, Hochrechnungen und zahlenmäßige Überblicke herein. Natürlich will ich nicht zugeben, dass ich all dem nicht so recht folgen kann. Aber trotzdem, ich fröne dem urmenschlichen Bedürfnis, irgendwie dazugehören zu wollen. Und also will ich mitreden und schmeiß mich jetzt also offenen Auges in den Statistikenwust, um zumindest für mich den Überblick zu behalten. Also, los geht’s!
Wieviel sind sieben Tage auf hunderttausend Einwohner hochgerechnet? Oder noch besser: Wie viele Ansteckungen gibt es prozentual bei weniger als eins? Ganz wichtig ist es, den Desinfektionsfaktor zu kennen, der mindestens unter fünfzig liegen soll, weil wenn er über zweihundert liegt, dann muss die Kontaktsperre prozentual zur Ausgangssperre eliminiert werden. Das Gleiche gilt für achtzig Millionen Achtzigjährige, die sich impfen lassen müssen würden, wenn genug Impfstoff da sein geworden wäre. Aber da fängt die Diskussion erst an. Bei steigender Desinfizienz nämlich sinkt der Reproduktionsfaktor mindestens um die Hälfte.
Aua, mein Kopf! Zu viel unverdauter Statistiksalat. Und dazu schieben sich noch andauernd wissenschaftliche Virologen ins Bild, die behaupten, dass bei einer nur zehnprozentigen Mutation der Viren die Impfung, deren Wirkung niemand kennt, wahrscheinlich höher als vermutet ausfällt, und deswegen müssen mindestens fünfundsiebzig Prozent der Herdenimmunität neue FFM Masken tragen, wovon das bei nahezu über neunzig Prozent der Bartträger kontraproduktiv ist.
Und nun zu guter Letzt kommt der Höhepunkt der Show: Die vom Dagobert Koch Institut (RKI, diese Abkürzung verstehe ich nicht, es müsste doch DKI heißen … na ja, die werden schon wissen, was sie tun …) ermittelten Zahlen sind meistens ungültig, weil die Gesundheitsämter vergessen haben, die Zahlen zu melden, da alle Gesundheitsämter an Wochenenden nicht arbeiten und also keine Zahlen schicken, auch zu Feiertagen nicht arbeiten und nach Dienstschluss keine Zahlen mehr melden. Da können auch die fünfunddreißig Prozent Bundeswehrsoldaten nicht helfen, da die nicht genau verstehen, worum es geht.
Oh je! Jetzt habe ich vor lauter Kopfzerbrechen Kopfschmerzen bekommen, und ab sofort gehöre ich zur Risikogruppe, die mit mindestens einem Symptom zu den achtundvierzig Prozent Leichtgläubigen und schnell Erschreckbaren gehören. Ein Schnelltest muss her, der für dreiundvierzig Prozent der Bevölkerung zur Verfügung stehen sollte. Von mir aus bezahle ich ihn auch aus eigener Tasche. Und wenn es unter dreißig Prozent bleibt, kann ich ihn als Januarhilfe bei der Krankenkasse auf Vorlage der Rechnung absetzen. Ohne erhöhte Mehrwertsteuer.

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Jetzt habe ich verstanden. Ein Blitz der Erleuchtung hat mich unverhofft, aber sehnlichst herbeigesehnt, getroffen! Doch halt, als ich eben aus dem Fenster schaute, draußen donnerte es gerade, mußte ich einsehen, es war doch ein Gewitter, das rasch vorüberzog. Wieder nichts mit der Erleuchtung, dabei hatte es so schön geblitzt…

  2. Da passt doch die wissenschaftliche Definition des Informationsgehaltes von Statistiken dazu:
    „Je nach Art und Weise der Datengewinnung entspricht der Gehalt der Informationen einem brauchbaren Ergebnis. Bei Verlassen der reellen und objektiven Prozesse können aber auch falsche Schlüsse aus Statistiken gezogen werden. So lässt sich ermitteln, wie groß der Anteil von Schwarzfahrern in Zügen oder die Durchschnittseinkommen der Bevölkerung an einem bestimmten Ort sein könnten. Allein aus statistisch verknüpfbaren Daten sollten aber keine Zusammenhänge gebildet werden.“
    Ja, was braucht es denn dazu, um Zusammenhänge zu bilden, was unsere Politiker haben? Inuition, gesunden Menschenverstand, Gefühl, Seelenkraft?

  3. Herrlich dieses Verwirrspiel.

    Ich suggeriere mir seit Monaten ein, ich sei eine Statistin im neuesten Reality-Film von Monty Python.

    Vielen Dank, Johannes, dass du mit uns deine Gedanken teilst. Am liebsten mag ich zwischen deinen Zeilen zu lesen. Ich amüsiere mich prächtig!

    Und Lachen ist bekanntlich die beste Medizin.

    Vielleicht mag mancher jetzt denken, dass es zu dieser Zeit nichts zu lachen gäbe, sei die derzeitige Lage mit dieser krönenden Gefahr viel zu ernst.

    Doch wer sagt das? Wer hat für die ganze Menschheit ein Wäre-Hätte-Könnte-Würde-Sollte-Lebensplan aufgestellt?

    Wir wollen alle leben, gesund sein, uns erfreuen, an dem was wir haben, wünschen, hoffen. Mir tut es auch leid für jeden Gestorbenen und trauernden Hinterbliebenen.

    Doch wollen wir alle ewig leben? Wollen wir uns am Ende unserer Tage in Massenhäusern einpferchen lassen, wo uns Fremde sagen, was wir zu tun und zu lassen haben, mal freundlicher, mal weniger empathisch, weil zu viel auf zu wenige aufgeladen wird?

    Oder ist es eher die Konsequenz unserer bisherigen Lebensweise, dass einige unter uns, ohne gesundem Immunsystem, ohne gesundem Miteinander, dieser gegebenen Situation nicht mehr stark genug entgegentreten können?

    Wie ging man früher mit solchen Situationen um? Hat man nicht seit Ewigkeiten die Spreu (Kranke) vom Weizen (Gesunden) getrennt?

    Warum wird dieses Mal beides gemischt und alle kleben in der ungenießbaren Mehlpampe, wo der eine dem anderen kein Korn mehr gönnt?

    Ich danke euch allen auf jeden Fall für eure Sichtweisen!

    Bleibt gesund!

  4. Lieber Johannes
    Herrlich wie Sie mit nur einem Laut, dem „l“, diesem harten Wort impfen die ganze Aggression und Kraft nehmen und stattdessen etwas fast Liebliches, ja sogar Gemütliches entsteht.
    Als könnte man beim Impfeln noch ein Kipferl dazu essen.
    Vielen Dank für diesen humorvollen Beitrag, der mich herzlich zum Lachen brachte.
    Ich freue mich immer wieder von Ihnen zu lesen.
    Mit lieben Grüßen Iris Kamm

  5. Lieber Johannes, danke, dass du mich wieder einmal auf deine besondere Art zum Lachen gebracht hast. Ich sehe dich vor mir mit deinem spitzbübischen Lächeln, deinen Grübchen und freue mich.
    Und gleichzeitig fühle ich die tiefe Weisheit hinter deinen Worten, die sich beim Lachen und Lächeln unbemerkt einschleichen und wirken kann.
    Danke für dein Wirken ❤️

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