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Nicht hinnehmbar!

Seit Jahren geistert ein unglaubliches, unfassbares Unwort durch die Medien. Anfangs war es mir gar nicht aufgefallen. Ich dachte: Naja, der übliche rhetorische Blödsinn, mit dem Hilflosigkeit kaschiert werden soll. Aber dann belästigte es immer wieder meinen gesunden Gehörsinn. Als aber dann in den letzten Wochen und Monaten unser Außenminister zu den Weltereignissen befragt immer wieder das Gleiche lallte, nämlich: „Das ist nicht hinnehmbar“, platzte mir die Hutschnur, und ich beschloss, jetzt sofort an dieser Stelle zu bemerken, dass so ein Kommentar nicht hinnehmbar ist.
Gut, manchmal variieren sie ein bisschen und mischen ein Fremdwort unter. Das klingt dann in etwa so: „Das ist absolut inakzeptabel“ … oder: „Wir verurteilen die Tat aufs Schärfste“ … Aber damit ist auch schon die gesamte Variationsbreite erschöpft.
Gleichgültig, ob es ein hinterhältiger Terroristenanschlag ist oder ein diktatorisch brutales Vorgehen gegen harmlos Protestierende, oder eine Demonstration, die außer Kontrolle gerät, oder persönliche Beleidigungen, Drohungen – alles ist „nicht hinnehmbar“ und dokumentiert lediglich eine Hilflosigkeit, die Situation zu verstehen oder gar zu meistern.
So ist das scheinbar wuchtige Mit-der-Faust-auf-den-Tisch-schlag-Argument nur eine emotionale Blähung, die nichts mehr aussagt, außer dass heiße Luft entweicht.
Und nun meine Frage: Was soll das eigentlich heißen, dass etwas nicht hinnehmbar ist? Das heißt doch, man akzeptiert die Gegenwart nicht. Ja, was akzeptiert man denn dann? Die Vergangenheit? Oder die Zukunft? Was ist denn überhaupt hinnehmbar?
Und wenn doch etwas „nicht hinnehmbar“ ist, da möchte man doch schreien: „Ja, um Gottes willen, dann nimm es halt nicht hin und tu was! Reagier mal! Eine Tat, eine Aktion, eine Reaktion!“
Oder werden Worte nur noch gesprochen, um Taten zu verhindern? Ich jedenfalls finde das nicht hinnehmbar, absolut inakzeptabel und verurteile ein solches Verhalten aufs Schärfste.
So! Das wäre mal gesagt!

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Im Allgemeinen wird sowieso und überhaupt viel zu viel geredet, zeredet, kommentiert, geschwätzt.
    Sprache trennt und verletzt und ist selten ehrlich gemeint.

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