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Der gute Clown, der böse Clown und der schlechte Clown

Versuch einer Begriffsbestimmung

In mei­ner furio­sen Begeisterung für die Figur des Clowns kam ich mit kul­tu­rel­len Erscheinungen des Clownbildes in Berührung, die mich zum Nachdenken zwan­gen. Ich muss­te ler­nen zu begrei­fen, dass der Clown ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len Blickwinkeln aus­ge­setzt war, die sein ursprüng­li­ches Bild des lie­bens­wer­ten Tollpatsch ver­zerr­ten. So habe ich drei Kategorien geformt: Der gute Clown, der böse Clown, der schlech­te Clown.

Hier prä­sen­tie­re ich eini­ge Assoziationen.

Der gute Clown
Der gute Clown ist der stau­nen­de Clown, der die Welt wie ein Kind ent­deckt und alles zum ers­ten Mal in aller Farbenfrohheit und Intensität erlebt. Einen Reflex die­ses Clowns fin­den wir bei Sokrates, dem alt­grie­chi­schen Philosophen, der das wei­se Wort geprägt hat: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“
Das ist der gute, ja, fast hei­li­ge Clown, der von sich sagen kann: „Ich stau­ne, also bin ich.“

Der böse Clown
Im ame­ri­ka­ni­schen Kulturraum wur­de ich in Büchern, Filmen und Theaterstücken aus mei­nen unschul­di­gen Clown-Träumen her­aus­ge­ris­sen und mit einem fie­sen, urbö­sen Clownbild pro­vo­ziert. Hinter der unschul­di­gen Maske des Clowns ver­barg sich da ein Monster, das unschul­di­ge Kinder miss­brauch­te, in ahnungs­lo­se Menschenmengen schoss und hin­ter der Clownmaske ande­re Menschen in den Wahnsinn trieb.
Ja, Unschuld lässt sich treff­lich zum Missbrauch nutzen.

Der schlech­te Clown
Unter die­sem Begriff las­sen sich vie­le Politiker oder Manager zusam­men­fas­sen, die so schlech­tes Theater spie­len, dass sie nur noch schlech­te Clownnummern abge­ben. Zum Beispiel, wenn einer behaup­tet, er habe von Vorgängen in sei­nem Ministerium nichts gewusst oder sein Privathandy aus Versehen gelöscht. Oder er kann sich ein­fach nicht erin­nern, jemals mit die­ser oder jener Person gespro­chen zu haben. Oder er wuss­te nicht, woher die mäch­ti­ge Geldüberweisung auf sein Privatkonto kam. Oder er hat­te kei­ne Ahnung von den betrü­ge­ri­schen Machenschaften sei­nes Konzerns.
Dann fragt sich der Mensch: „Was ist denn das für ein Clown, der sich noch nicht ein­mal bemüht, sein unmo­ra­li­sches Verhalten zu vertuschen?“

Zurück zum guten Clown.
Leider geht die Entwicklung dahin, dass es immer mehr böse Clowns gibt, die Anzahl der schlech­ten Clowns täg­lich wächst und die Anzahl guten Clowns immer wei­ter schrumpft. Und doch seh­nen sich alle Menschen tief im Herzen nach Unschuld. Denn jeder weiß, dass die Liebe nur den besucht, der wie­der unschul­dig gewor­den ist.

Der Clown ist der Spieler der Liebe.

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Durch dei­nen Blog wur­de mir gera­de klar, wie alle sich gegen das weh­ren, wonach sie sich am meis­ten seh­nen — näm­lich nach Liebe.
    Der eine bleibt stau­nend in der Liebessehnsucht hän­gen und der ande­re kämpft gewalt­voll gegen die Liebe, indem er sie aktiv zer­stört, und wie­der ande­re lügen und laden dadurch den Gegenspieler ein, der dafür sorgt, dass man gar nichts mehr fühlt.
    Ich freue mich auf die nächs­te Clown-Weiterbildung Ende Juni, die bestimmt wie­der als Präsenzveranstaltung ange­bo­ten wer­den darf, um mit dem Clown für die Liebe Spielräume zu schaffen.

  2. Vielen Dank für die­sen herz­er­grei­fen­den Blog.

    Ich hof­fe sehr, dass ich zu mei­nem guten Clown fin­de und ande­re Menschen begeis­tern kann, eben­falls gute Clowns zu werden.

  3. Mit aller zur Verfügung ste­hen­den elek­tro­ni­schen Macht soll­te die­se Differenzierung der Clown-Charaktere in “Gut — Böse — Schlecht ” mit Paukenschlag in die Welt getra­gen werden. 

  4. Als guter Clown im Workshop oder vor Kinder spie­len zu kön­nen, ist für mich das Schönste gewe­sen! Frei und unge­zwun­gen von Moral und allen Wertvorstellungen sei­nen Impulsen fol­gen zu kön­nen, spie­le­risch sich so sei­ner Seele anzu­nä­hern, die einst, als Kind in die­sem Leben noch unschul­dig war.
    Wenn die Nase dann wie­der abge­zo­gen wird, bin ich zurück im all­täg­li­chen Leben: “Oh jeeee …” Mehr Spiele im Alltag, als guter Clown, das wün­sche ich mir für mein, für unser Leben! Damit die Liebe sich ent­fal­ten und strah­len kann.

  5. Lieber Johannes,
    Vielen herz­li­chen Dank für Deine Inspiration zum Clown. Ich bin sehr dank­bar dafür. Ja es ist schwie­rig, wenn die Unschuld miss­braucht wird für Machtspiele.
    Aber du gibst mir Hoffnung wei­ter die Unschuld des Clowns zu suchen, um die Liebe im Clownspiel zu fin­den. Ich dan­ke dir von Herzen. 🙂
    Alles Liebe
    Katinka

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