Tel. 0163 76 55 881
Überspringen zu Hauptinhalt

Sturz in den geistigen Abgrund

Manches Mal macht ein guter Witz die Zuhörer fas­sungs­los. Dann ist es näm­lich so, dass der Witz einen auf eine völ­lig ande­re Fährte gelockt hat und im aller­ers­ten Moment nach dem Hören der Pointe die Zuhörer in einen tie­fen geis­ti­gen Abgrund stür­zen, wo sie für einen Moment jeg­li­che geis­ti­ge Orientierung ver­lie­ren. Dieser Moment, der in Sekundenschnelle erreicht wird und auch eben­so schnell wie­der vor­über­ge­zo­gen ist, setzt eine Menge Energie frei. Dieses clow­nes­ke Grundprinzip der Energiegewinnung muss näher beschrie­ben wer­den: In dem Moment des Staunens öff­nen wir uns ganz. In die­sem Moment wis­sen wir nicht mehr, wer wir sind und was die Geschichte, die wir gera­de gehört haben, bedeu­ten soll. In die­ser Öffnung neh­men wir die gewal­ti­gen Energien, die uns umge­ben, wahr und nut­zen sie, um uns selbst neu zu sor­tie­ren und den Perspektivwechsel des Witzes in unse­re Sichtweise ein­zu­bau­en. Dies alles geschieht in Sekundenschnelle.
Wenn wir dann wie­der auf­tau­chen aus dem geis­ti­gen Abgrund, in den wir gestürzt sind, müs­sen wir die­se hohe Energie, die uns zuge­flos­sen ist, wie­der abla­chen. Es ist ein hei­li­ges Lachen, denn wir lachen über uns selbst. Im Moment des Lachens haben wir die Erkenntnis, dass wir selbst mit unse­rer ein­ge­fah­re­nen Sichtweise oft auf dem Holzweg sind und viel­leicht häu­fi­ger, als wir den­ken, wie ein Clown ver­ständ­nis­los im Leben stehen.
Hier ein wit­zi­ges Beispiel: Ein Mann sagt zu sei­nem Freund, den er nach lan­ger Zeit wie­der trifft: „Ich habe gehei­ra­tet und den Namen mei­ner Frau angenommen.“
Fragt der Freund: „Und wie heißt du jetzt?“
„Melanie!“
Mit die­ser Antwort, die jeg­li­che tra­di­tio­nel­le Erwartung sprengt, ist jener Moment geschaf­fen, den ich ein­gangs erwähn­te. Es ent­steht eine geis­ti­ge Verwirrung, an deren Ende eine Klärung steht, die nichts erklärt. Nur eines wird klar: Nichts ist, wie es scheint. Und um auch nur einen Bruchteil des Lebens zu ver­ste­hen, müs­sen wir immer wie­der neue Blickwinkel einnehmen!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Lieber Johannes Galli, dan­ke an Deine Erinnerung dar­an, wie schön es ist, (als Clown) ver­ständ­nis­los im Leben zu ste­hen. Wenn ich so recht über­le­ge, ste­he ich gera­de mit etwas zu viel Verständnis im Leben. Ich wer­de mal wie­der die Richtung des geis­ti­gen Abgrunds anpei­len und mich schon mor­gen dar­über freu­en, wie gut das tut 🙏🙏😊👍🤡

  2. Lieber Johannes,
    so manch guter Witz zog mich in den geis­ti­gen Abgrund und erstaun­li­che Blickwinkelwechsel waren die Folge. Mögen sie uns auch in Zukunft begleiten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen