Tel. 0163 76 55 881
Überspringen zu Hauptinhalt

3G+ Weintrauben

Neulich ging ich des sams­tags auf den Markt. Ich hat­te mir vor­ge­nom­men, mich in die über­all auf­kei­men­den 2G oder 3G Diskussionen nicht hin­ein­zie­hen zu las­sen. Als objek­ti­ver Mensch woll­te ich einen Standpunkt ein­neh­men, der wie gesagt objek­tiv ist. Mit die­sem gan­zen Corona Thema schwir­ren mir zu vie­le sub­jek­ti­ve Meinungen um die Ohren. Dass ich aber den­noch ahnungs­los in eine sol­che Diskussion hin­ein­ge­zo­gen wur­de, will ich im Folgenden schil­dern. Ich schlen­der­te also wie schon erwähnt vor­ur­teils­frei über den Markt, und da lach­ten mich plötz­lich eine gan­ze Palette Weintrauben an … grü­ne, blaue, klei­ne, dicke … so, wie es das Herz begehrt.
Allerdings mach­te mich ein wer­ben­der Pappendeckel stut­zig. Darauf stand mit dickem Filzstift gut leser­lich geschrie­ben: „3G+ Weintrauben”.
Ich blick­te dem Händler tief in die Augen, run­zel­te die Stirn und schnaub­te hin­ter mei­nem Mund-Nasenschutz her­vor: „Was soll das hei­ßen? 3G+?“
Der Händler lach­te – übri­gens ohne Mundschutz – und ant­wor­te­te mir freund­lich: „3G heißt: Gespritzt, gen­ma­ni­pu­liert und gewaschen.“
„Aha“, sag­te ich und nick­te zustim­mend, um ihm zu signa­li­sie­ren, dass ich ver­stan­den hat­te. Dann woll­te ich ihn doch noch aufs Glatteis füh­ren und frag­te: „Und was heißt das Plus?“
Aber er war gut vor­be­rei­tet und sag­te grin­send: „Getestet!“, schob sich demons­tra­tiv eine Testweintraube in den Mund, mach­te ein genie­ße­ri­sches „Mmmh“ und sprach ver­zückt: „Köstlich!“
Dann lan­de­te ich zuge­ge­be­ner­ma­ßen einen schwa­chen Scherz und kor­ri­gier­te ihn: „Köstlich schreibt man aber mit K, nicht mit G.“
Aber ihm war nicht bei­zu­kom­men, denn er sag­te: „Ich mei­ne doch auch köst­lich im Sinne von gött­lich! Wieviel Pfund darf ich Ihnen ein­pa­cken? Zwei oder drei Pfund?“
Nun war mei­ne Stunde gekom­men. Stolz erho­be­nen Hauptes schritt ich von dan­nen und sag­te im Gehen her­ab­las­send: „Gein Pfund!“
Dem hat­te ich es gegeben!
Ich mach­te mich mit lee­ren Händen auf den Heimweg. Aber dann kam zu mei­ner Überraschung eine hef­ti­ge Weintrauben Gier. Sie kam über den Magen und irgend­ein Gehirnareal signa­li­sier­te: „Mh, süßes fri­sches kräf­ti­ges Obst!“, und mel­de­te das unver­züg­lich an mei­ne Mundspeicheldrüsen, so dass mir, wie man so schön sagt, das Wasser im Munde zusammenlief.
Es war mir klar, mein Bedürfnis muss­te gestillt wer­den, auf der Stelle, unver­züg­lich, direkt von der Hand in den Mund!
Ich dreh­te um, denn ich bin ein Mann der Tat, ging zurück zum Weintraubenstand und war erstaunt. Der Verkäufer hat­te mich erwar­tet. Er hielt für mich eine durch­sich­ti­ge Plastiktüte mit drei Pfund Weintrauben – eine Mischung aus dicken, dün­nen, grü­nen und blau­en – bereit. Wortlos wech­sel­ten die Trauben den Besitzer. Das Gleiche geschah mit dem von mir kor­rekt berech­ne­ten Geldbetrag. Wir lächel­ten uns an, ver­mie­den aber Worte.
Auf dem Weg schob ich mir sofort gie­rig eini­ge Weintrauben ein, denn gewa­schen waren sie ja!

close

Immer auf dem neusten Stand

ABONNIERE DEN PERSÖNLICHEN NEWSLETTER VON JOHANNES GALLI UND ERFAHRE ALLES ÜBER SEINE NEUSTEN WERKE

Wir sen­den kei­nen Spam! Erfahre mehr in unse­rer Datenschutzerklärung.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

An den Anfang scrollen