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Was lachst Du?

Eine humoristische Habilitationsschrift

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da wollte ich unbedingt Professor werden. Mir war ziemlich egal, worin. Ich wollte einfach den Titel „Professor“ tragen. Das liest sich doch toll, oder? Prof. Galli. Aber die normale akademische Laufbahn war mir durch eine Verkettung unglücklicher Umstände versperrt, wobei eine angeborene Trägheit die Hauptursache bildete.
Gewitzt, wie ich bin, dachte ich mir damals einen Forschungsbereich aus, nämlich „Humor“, fügte dann noch das gewichtig klingende Wort „Biologie“ hinzu und hatte folglich ein Forschungsgebiet geschaffen, das es offiziell nicht gibt, sich aber kompetent anhört. In diesem selbstgefundenen Forschungsgebiet verlieh ich mir dann selbst den Professorentitel. Ich habe es leider nur als Gastdozent zu einer unbezahlten Honorarkraft geschafft und aus finanzieller Not bald meine Laufbahn abgebrochen. Mein Hörsaal, den ich mir in meinem Wohnzimmer eingerichtet hatte, blieb aufgrund öffentlichen Desinteresses unbesucht.
Zum Glück war das Ganze nur eine kurze Episode in meinem Leben. Aber meine Liebe zum Humor ist geblieben. Natürlich ist Lachen gesund. Das weiß doch jedes Kind! Humor bringt einen verkrampften Menschen in einen entspannten Zustand. Und die Menschheit braucht doch Entspannung, oder?
Doch nun zurück zu mir als Humorbiologe. Zwar ist mir die akademische Laufbahn verwehrt, aber die Bühne ist mir stets offen geblieben. Und da konnte ich doch als Wissenschaftler auf der Bühne meine Lachforschungen weiter vertiefen.
Also: Heraus aus dem Hörsaal, heraus aus den wissenschaftlichen universitären Hinterzimmern, heraus aus medizinisch psychologischen Forschungsanstalten und hinauf auf die Bühne.
Zuerst einmal müssen wir das Lachen kategorisieren:
1. Andere lachen über mich.
2. Ich lache über andere.
3. Ich lache über mich.
Nun zu 1.: Das mag niemand. Niemand mag, wenn andere über einen lachen. Es sei denn, man ist Komiker von Beruf und verdient ein Schweinegeld damit. Im täglichen Leben aber will man nicht, dass die anderen über einen lachen. Na gut, auf schalen Festen, bei denen man einen Witz erzählt, will man natürlich, dass die andern lachen. Aber nicht über einen selbst, sondern über den Witz. Hey, da fällt mir einer ein! Ich erzähl ihn gleich:
Ein Mann kommt in die Kneipe und hat beide Ohren verbunden. Seine Freunde rufen: „Was hast du denn gemacht?“
Bereitwillig erklärt er ihnen: „Meine Frau ist auf Kur, da musste ich meine Hemden selbst bügeln. Da klingelt plötzlich das Telefon. Ich, ganz durcheinander, hebe das Bügeleisen an mein rechtes Ohr.“
Da fragt ein Freund: „Und was ist mit deinem linken Ohr passiert?“
Da sagt der Mann: „Der Idiot hat nochmal angerufen!“
Zurück zur Lach-Kategorie 1: Im Allgemeinen will niemand, dass andere über einen lachen. Die Menschen empfinden es als peinlich, als herabsetzend, als demütigend. Bei Kindern nennt man das „gehänselt werden“. Es wird doch kein Kind gerne gehänselt … Bei Jugendlichen nennt man es „gedisst werden“. Bei Erwachsenen nennt man es „vorgeführt werden“ oder „verarscht werden“ oder auch „gemobbt werden“ …
Nun zu 2.: Man lacht wahnsinnig gerne über das Missgeschick von anderen. Schadenfreude nennt man das auch. Aber wollen wir nicht so streng sein. So sind wir Menschen halt. Egal, was für ein Missgeschick uns passiert, wenn wir jemanden finden, dem ein noch größeres Missgeschick passiert, müssen wir über den lachen und dann geht’s uns wieder besser.
Nun zu 3.: Nun kommen wir zum Höhepunkt des Lachens: Das Lachen über sich selbst. Die Königin des Lachens. Lachen als wirkliche Heilung. Lachen als heiliger Moment. Lachen als die Krönung der Selbsterkenntnis. Lachen auf die ewige Frage: „Wer bin ich?“ Das ist der Schlüssel. Das ist Glück. Das ist göttlich. Dieser Moment, wenn einem schlaglichtartig klar wird, wie lächerlich man ist. Wenn man erkennt, wie kleinmütig, beschränkt, hilflos man ist, und sich selbst von einem göttlichen Standpunkt aus sieht, so muss man lachen. Aus tiefstem Herzen lachen. Wer über sich selbst lacht, ist ein Gott … Zumindest ein Halbgott!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Lieber Johannes,
    vielen Dank für diesen wirklich zutiefst göttlichen Beitrag. Danke, dass Du uns immer wieder erklärst was Lachen ist, was es damit auf sich hat und sogar das Lachen in diese grandiosen Kategorien aufteilst. Ich habe immer nur so ein diffuse Ahnung vom Lachen, aber das bringt mich wieder ein Stück weiter. Oh ja, „Professor der Humor Biologie“ würde ich mich auch gern nennen, um mich dann, am Ende als einen göttlichen Witz zu finden. Das wäre doch ein cooles Theaterstück? Ich wäre dabei … für die Clownschule ….
    Ganz liebe herzliche Grüsse
    Katinka

    1. Ich fürchte, an der Akademie für Humorbiologie werde ich raus geschmissen. Ich hasse es, wie die Pest, Unrecht zu haben und wenn andere über mich lachen, ist dies quasi eine Vollkatastrophe.
      Ausserdem bin ich total schadenfroh, sollte jemandem, der mir unwohl gesonnen ist, oder der mich ohne eigenes Wissen oder Interesse an einer Sache belehrt hat, etwas blödes passieren. So etwas erfreut mich von Herzen.
      Über mich selbst lachen, kann ich nie, vielleicht manchmal, Jahre später über etwas müde lächeln.

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