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Hallo Wien! 

Als ich zum ers­ten Mal „Halloween“ hör­te, ver­stand ich „Hallo Wien!“ und dach­te, das sei ein Werbegag von irgend­ei­nem öster­rei­chi­schen Tourismus-Werbebüro, die mit der Aktion „Hallo Wien!“ allen groß­städ­tisch inter­es­sier­ten Menschen die Besuchswürdigkeit der Stadt Wien ein­trich­tern woll­ten. Zumal ja auch der Stephansdom und die Wiener Caféhäuser Weltkulturerbe sind … glau­be ich …
Aber dann las ich in einer unbe­deu­ten­den Tageszeitung einen Artikel über Halloween. Und da ich mit nicht unbe­trächt­li­cher Intelligenz geseg­net bin, schuf ich sofort eine Verbindung zwi­schen dem gehör­ten „Hallo Wien“ und dem gele­se­nen „Halloween“ und schluss­fol­ger­te, dass sich wie so oft das Gehörte dem Gelesenen unter­ord­nen musste.
Am 31. Oktober ist wie­der Halloween. Darüber will ich ein wenig schwalmen. Also, es war so: Eigentlich ist Halloween ein christ­li­ches Fest, hat sei­nen Ursprung in Irland. Ja, die Katholiken da drü­ben ver­ste­hen zu feiern.
„All Hallow’s Eve“, aus dem sich das Wort Halloween ent­wi­ckel­te, bedeu­tet: Der Abend vor Allerheiligen. In die­sem alten, ursprüng­lich kel­ti­schen Fest wur­de zum Ende des Sommers der Einzug des Viehs in die Ställe gefei­ert. Auch glaub­te man, dass in die­ser Zeit die Seelen der Toten heim­kehr­ten. Mit Freudenfeuern und manch­mal auch in Kostümierungen, die zur Vertreibung böser Geister dien­ten, wur­de Halloween als wich­tigs­tes heid­ni­sches Fest gefeiert.
Nun fragt sich viel­leicht die eine Leserin oder der ande­re Leser: „Was redet der denn da? Halloween ist doch ein Fest aus Amerika!“
In Irland herrsch­te im 16. Jahrhundert eine rie­si­ge Hungersnot, und Millionen Iren irr­ten (Achtung, Wortspiel!) nach Amerika – in das Land der kaum begrenz­ten Möglichkeiten. Und dort brei­te­te sich das Fest Halloween aus zu einer Art Gespensterparade. Also, man ver­klei­de­te sich in Gespenster; blut­rüns­tig, bru­tal … Amerika eben!
Die Kinder woll­ten auch was vom Fest haben, lie­fen von Haustür zu Haustür, schrien „Trick or Treat“, was so viel bedeu­tet wie: „Süßigkeiten her oder wir spie­len dir einen üblen Streich!“ Und dann gab man ihnen Süßigkeiten und die Kinder hat­ten ihre Freude dar­an und die Zahnärzte auch.
Manche Menschen, vor allem Eigenbrödler, waren davon sehr genervt, und es wird berich­tet, dass ein­mal so ein generv­ter Mensch die Bonbons ver­gif­tet hat­te. Hallo, nicht rich­tig schwer. Die Kinder muss­ten nur kot­zen und hat­ten zwei Tage Dünnpfiff. Aber man sieht, auch der harm­lo­ses­te Scherz kann gefähr­lich werden.
Von Amerika schwapp­te Halloween dann wie­der zurück nach Europa und vor allem nach Deutschland, weil wir ja gute Freunde von Amerika sind.
Leider kann ich aus mei­ner Kindheit über­haupt nichts berich­ten, da damals das Fest, soweit ich weiß, nir­gend­wo in Deutschland gefei­ert wurde.
So, nach die­ser zäh-kleb­ri­gen Einleitung will ich zur Sache kom­men. Vom Hörensagen weiß ich, dass es auf so einer Halloween Party ziem­lich übel zugeht. Vampire, Serienmörder, Hingerichtete, bru­tal Verunstaltete … So auf die­sem Niveau. Je mehr Schreck, umso besser.
Ich aber will mich in die ger­ma­ni­sche Mythologie ver­tie­fen, die den Hintergrund zu Halloween bil­det. Es ist näm­lich so: In der Halloween Nacht, so sagt man, ist die Trennungsschicht zwi­schen unse­rer sicht­ba­ren Welt und der dar­über­lie­gen­den unsicht­ba­ren Welt so dünn wie im gan­zen Jahr nicht mehr. Botschaften aus dem Jenseits, die meist von unse­ren ver­stor­be­nen Familienmitgliedern über­mit­telt wer­den, sind so klar und deut­lich wie sonst nie.
Mythologisch betrach­tet ist jetzt die Zeit der Ankunft der Ahnen. Odins Heer (Odin: Göttervater der Germanen) erscheint aus der nörd­li­chen Finsternis und zieht durchs Land. Es beginnt die Zeit der Prüfung. Was das Jahr gebracht hat, wird jetzt einer genau­en Prüfung unter­zo­gen: Was war gut im Jahr, was wird wei­ter­be­stehen? Und was war schlecht im Jahr und wird aus­ge­son­dert und unter­ge­hen? Dies sind die Fragen, die in den kom­men­den Wochen und Monaten immer wich­ti­ger werden.
Aber merk­wür­dig fin­de ich, dass das Ganze auf den heu­ti­gen Halloween Festen ein biss­chen kit­schig gru­se­lig dar­ge­stellt wird. Als Geister und so … Verwegene Kostüme und har­te Getränke … Ich glau­be nicht, dass die Geister und Gespenster in merk­wür­di­gen Kostümen erschei­nen, son­dern dass sie – Achtung,  jetzt kommt’s – Energien sind, die auf uns her­nie­der kom­men und erlöst wer­den wollen.
Der Mensch stellt die Ahnen sinn­bild­lich als Geister dar. Sowohl an Halloween, als auch an Fastnacht, als auch in der Walpurgisnacht. Die Ahnen sind aber kei­ne Geister, son­dern blo­ckier­te Energien unse­rer Vorfahren. Diese Energieblocks wer­den von Generation zu Generation unbe­wusst wei­ter­ver­erbt und müs­sen irgend­wann erlöst wer­den. Wir haben also eine fata­le Situation: Neben der eige­nen see­li­schen Aufgabe müs­sen auch noch die uner­lös­ten Blockaden der Eltern, Großeltern und Urgroßeltern usw. erlöst werden.
Ehrlich gesagt, bei so einem Erlösungsdruck ver­geht mir die Lust auf ein Halloween Saufgelage. Wieso machen wir nicht ein Seelen-Erlösungs-Fest? Ein Fest, auf dem wir uns ganz in uns ver­sen­ken. Und danach erzäh­len wir uns gegen­sei­tig von den gro­ßen Problemen, die uns pei­ni­gen. Und wir fin­den her­aus, es sind gar nicht unse­re eige­nen Probleme, son­dern sie sind geerbt. Und wir machen uns auf den Weg, sie zu erlö­sen. Und es wird ein gewal­ti­ges Fest, wenn wir end­lich von den Ahnen nicht mehr bedrängt wer­den und uns nicht mehr mit frem­den Problemen her­um­schla­gen müs­sen, son­dern genug Kraft haben, die eige­nen zu lösen.
Das wird ein wah­res Freudenfest.

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Lieber Johannes Galli
    Herzlichen Dank für die­se schö­ne Einführung zu Halloween.
    Das Seelenerlösungsfest ist ein wun­der­bar trös­ten­der Impuls.
    Wieviel Freiheit wür­de jede Einzelne, jeder Einzelne dadurch zurückbekommen.
    Der 31.Oktober hat für mich noch­mal eine ande­re Bedeutung bekommen.
    In die­sem Sinne ein gutes „ Hallo Wien“ für Sie
    Mit herz­li­chem Gruß
    Iris Kamm

  2. herz­li­chen Dank für die­sen anre­gen­den Beitrag und die sinn­rei­che Einstimmung in das Halloween Fest. Hier eine klei­ne Geschichte zum Brauch des Kürbis-Schnitzens:
    Dieser geht auf eine iri­sche Legende zurück, die tra­di­tio­nell zu Halloween am Feuer erzählt wird: Die Story von Jack O‘Lantern

    Jack O´Lantern war ein Taugenichts und Tunichtgut. Dem Alkohol war er auch nicht abge­neigt. Am Vorabend zu Allerheiligen saß er in einem Pub, als der Teufel kam, um ihn mit in die Hölle zu neh­men. Doch Jack woll­te nicht ohne ein letz­tes Pint in die Hölle gehen und frag­te den Teufel, ob er ihm noch einen Drink spen­die­ren wür­de. Der Teufel woll­te Jacks letz­ten Wunsch nach­kom­men und ver­wan­del­te sich prompt in eine Sixpence-Münze. Doch der Teufel ahn­te nicht, dass Jack ihn übers Ohr hau­en wür­de. Er steck­te die Münze in sei­nen Geldbeutel, indem sich ein Kreuz befand, so konn­te der Teufel sich nicht mehr zurück ver­wan­deln. Erst nach­dem der Teufel Jack ver­spro­chen hat­te ihn noch wei­te­re zehn Jahre sei­ne Seele zu las­sen, ließ er den Teufel frei.

    Der Teufel hat­te Zeit und war­te­te, bis die zehn Jahre vor­bei waren. Als Jack dem Teufel erneut gegen­über­stand, fing er wie­der an zu kla­gen und woll­te als letz­te Henkersmahlzeit einen Apfel haben, der hoch an einem Baum hing. Der Teufel woll­te dem alten Jack die­sen Gefallen tun und klet­ter­te auf dem Baum. Jack schnapp­te sein Messer und schnitz­te schnell ein Kreuz in den Baum, sodass der Teufel auf dem Baum fest­saß und wie­der nicht an Jacks Seele kam. So ver­han­del­ten sie erneut und erst nach­dem der Teufel ver­sprach, für immer die Hände von Jacks Seele zu las­sen, ent­fern­te Jack das Kreuz am Baum.

    Als Jack nach eini­gen Jahren starb, schweb­te sei­ne Seele hei­mat­los zwi­schen Himmel und Hölle. Im Himmel war er nicht will­kom­men, da er zu Lebzeiten kein guter Mensch gewe­sen war. Der Teufel bekam Mitleid mit Jack und gab ihm ein Stück Kohle aus dem Höllenfeuer, damit er sich wär­men konn­te, an dem ein­sa­men Ort zwi­schen Himmel und Hölle. Jack hol­te eine Rübe aus und leg­te die Kohle hin­ein. So war die Idee des Halloween Kürbis geboren.

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