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Zeitenwende – was nun? 

Allüberall dringt es in mein Ohr. Und vor allem der Kanzler wiederholt es Litanei-mäßig.
Die Aussprache der deutschen Sprache erlaubt es, einen mäßig intelligenten Witz zu formulieren: Zeitenwände!
Aber die Assoziation, dass die Zeit gegen die Wand fährt beziehungsweise plural, dass die Zeiten gegen Wände fahren, ist nicht Absicht meiner kritischen Auseinandersetzung mit der Zeitenwende. Aber dennoch muss gefragt werden, welche Zeit wendet sich? Und vor allem, wohin wendet sie sich? Zum Guten oder zum Schlechten?
Um das zu verstehen, muss man natürlich den konkreten Anlass für so ein großes Wort diskutieren. Auf jeden Fall gemeint ist, dass man sich von einer Freundschaft zu Russland abwendet, hin zu einer Feindschaft. Gewürzt wird der ganze Zeitenwendeprozess mit Worten wie: „Wir müssen klare Kante zeigen!“ Oder noch besser: „Jetzt ist die rote Linie überschritten!“
Also aktuell heißt es, dass die Nato-Ost-Flanke gestärkt werden muss, Milliarden für gut ausgetüftelte, höchst effektive Mörderwaffen ausgegeben werden müssen und dass ein Riss quer durch die Welt geht und jedes Land irgendwie entscheiden muss, zu wem es gehört.
Mich persönlich erschüttert die Sache mit Schweden, die seit Napoleon neutral waren, aber jetzt auch das Kriegsbeil ausgegraben haben.
In einer solchen Situation kann ich nur sagen: Ich ziehe mich auf das Recht der Ermüdung zurück. Ich bin siebzig Jahre alt und auch ich nehme die Zeitenwende für mich in Anspruch. Ich nehme meinen Abschied als kritischer Bürger. Ich zelebriere meine Resignation. Sollen doch die jüngeren Menschen Feindbilder kreieren, die sie dann brutal bekämpfen, weil irgendwelche roten Linien überschritten sind. Ich mache nicht mehr mit. Und die Blogs, die ich Anfang dieses Jahres noch mit großer Begeisterung geschrieben habe, mit dem Erfolg, immer weniger Follower zu haben, geben mir recht, die Feder hinzulegen und in meinem Garten, den ich nicht habe, mich ganz der Rosenzucht hinzugeben. Zeitenwende heißt für mich Abschied. Mein Abschied davon, das Unverständliche verstehen zu wollen.
Vielleicht, wenn wir in der Zukunft angekommen sind, blicken wir zurück auf den abscheulichen Fehler, Feindschaft anstelle Freundschaft eingetauscht zu haben. Aber dann ist es zu spät. Aber das Gute ist, das wirklich Gute ist, dass ich da nicht mehr dabei bin. 

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