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Schlechte Nachrichten – Gute Nachrichten

Neulich besuchte mich mein kleiner Enkel Fridolin. Für seine fünf Jahre war er schon ziemlich weit entwickelt und log auch schon wie ein Erwachsener. Ich bin ein anerkannt überragender Pädagoge und vertrete die Meinung, dass man jede Begabung fördern muss. Nach kurzem Überlegen erkannte ich, Fridolin würde in seinem Erwachsenenleben ein hervorragender Agent werden. Agenten bzw. Spione beherrschen die Welt, weil sie die echten Nachrichten unter Verschluss halten und Regierungen und so wirklich beraten können. Da ich mich selbst sehr gut auskenne, wie man Telefonate belauscht – mein Lieblingsfach ist die Fangschaltung – und da Fridolin außerdem noch enorm elektronisch begabt ist, nahm ich mein Telefon zur Hand und zeigte ihm, wie man ohne Probleme fremde Gespräche abhören kann.
Irgendwie musste ich an diesem Tag auf einen entscheidenden Knopf gekommen sein, denn plötzlich rauschte es in der Leitung und ich war irgendwo bei einem Pharmakonzern in Ingelheim gelandet. Geistesgegenwärtig, wie ich seit frühester Kindheit bin, schaltete ich eine Audioaufnahme ein, die ich später zur gemeinsamen Erbauung mit Fridolin nochmal abhörte und auch den mehr oder weniger interessierten LeserInnen im Folgenden präsentieren will.
Um die Anonymität zu wahren, habe ich die Namen verfälscht. Auch um die datenrechtlichen Schutzmaßnahmen einzuhalten.

„Ja, hier Pharmchef. Was gibt’s?“, röhrte eine sonore Stimme.
Eine junge, helle, kaum männliche Stimme antwortete: „Hier spricht Dr. Wissschaft, die Unterabteilungsleiterin der ImImA.“
„Frau Wissschaft, bitte bedenken Sie, ich leite 43 Abteilungen, da ist mir im Moment entfallen, was die ImImA ist.“
„Das ist die Abkürzung für die Impfstoff-Immunologie-Abteilung. Und ich habe eine verdammt gute Nachricht für Sie.“
„Schießen Sie los!“, dröhnte der Boss.
Die Frauenstimme klingelte begeistert: „Wir haben seit einem Jahr nur gute Nachrichten. Aber ich toppe jetzt alle! Wir haben nämlich in unserer Tagung herausgefunden, dass wir die neue Omikron Mutante mit unserem bereits bestehenden Impfstoff voll erfassen. Die Menschen müssen sich also nicht nochmal extra boostern lassen.“
Herr Pharmchef fragte: „Und wo ist hier die gute Nachricht?“
Die andere verdattert: „Das heißt doch, wir haben einen so tollen Impfstoff, dass nicht nochmal geboostert werden muss.“
„Ich frage Sie nochmal, was ist daran die gute Nachricht? Ich will Ihnen mal eine gute Nachricht formulieren, Sie Anfängerin. Eine gute Nachricht wäre, wenn die Menschen sich für jede Mutante neu boostern lassen müssen und wir haben den immer neu und immer schneller entwickelten Impfstoff, den wir weltweit immer wieder neu verkaufen können.“
„Aber was mache ich jetzt mit der Nachricht, dass unser Impfstoff allroundwirksam ist?“, fragte scheu Frau Dr. Wissschaft.
„Die lassen Sie ganz unauffällig im Papierkorb verschwinden.“
Sie brauste auf: „Das mache ich nicht! Ich gehe an die Presse.“
Der Boss blieb bossruhig: „Gut, versuchen Sie’s!“
„Und was passiert, wenn ich’s tue?“, fragte die Doktorin kleinlaut.
„Dann lassen wir Sie auch ganz unauffällig verschwinden. Einen schönen Tag noch.“
Das ganze Gespräch wollte ich noch einmal für Fridolin interpretieren, dass er gleich die modernen Profit-Gesetze durchschaute. Aber Fridolin winkte ab und sagte: „Ich verstehe schon. Der Boss braucht massiv Kohle!“
Kopfnickend stimmte ich ihm zu.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Wow! Genauso fühle ich das auch!
    Wenn ich jetzt mal meine Gefühle des Schreckens verstandesmäßig fassen darf, dann denke ich folgendes: Die Pharmaindustrie ist unsere neue Regierung – ha, und so geschickt regieren die, dass man es kaum merkt, dass sie regieren! Da sie langfristig regieren müssen, mache ich mich mal darauf gefasst, dass sich das demokratische Ansinnen dieser Regierung darauf konzentriert, immer neue Virusvarianten in die Welt zu setzen um viele viele Menschen immer wieder boostern zu können. Jetzt bin ich wirklich gespannt, wie der geboosterte Mensch nach 10 Jahren so aussieht?? Vielleicht ein homo boosterus??

  2. Ja, sehr gute Geschichte und so realitätsnah ! und so geht es auch in der Autoindustrie weiter, auch dort verschwinden wirklich gute Erfindungen in den tiefsten Schubladen nur um erstmal mit den E-Autos Geld zu machen und natürlich nicht zu vergessen die Ausbeute der Länder in denen die so wichtigen Rohstoffe für die Batterien herkommen.

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