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Kasperle Puti plant die Invasion — Teil 3

Dritte Szene

Rollen:
Kasperle Puti (Diktator)
Deutscholaf (Bundesknazler)
Verschiedene Dolmetscher, Bedienstete, Sicherheitsbeamte, Fotografen, Mikrofonhalter und Journalisten
Europachor
Ort: Putis Kasperlepalast

(Auftritt Deutscholaf. Er schaut ner­vös um sich.)
Deutscholaf (lei­se): Nanu, da ist ja nie­mand. (laut) Hallo, ist da jemand? Ich bin der deut­sche Bundesknazler und mache mei­nen Antrittsbesuch.
(Da springt die Flügeltür auf und her­ein tritt Kasperle Puti im Zarendress und Krone. Hinter ihm drän­gen jede Menge Dolmetscher, Bedienstete, Sicherheitsbeamte, Fotografen, Mikrofonhalter und Journalisten herein.
Deutscholaf stürzt auf Puti zu.)
Deutscholaf (ruft): Ich kom­me für Verhandlungen auf Augenhöhe. Hallo Kasperle Puti!
Kasperle Puti: Ich bin 1,69m groß. Wie groß bist du?
Deutscholaf: Was für ein Zufall! Ich bin auch 1,69m groß. Da kön­nen wir ja auf Augenhöhe verhandeln.
(Kasperle Puti und Deutscholaf blei­ben sich gegen­über ste­hen und hin­ter ihnen und um sie her­um schnat­tert es in allen Sprachen. Ein Dolmetscher über­setzt ins Chinesische. Von dort aus wird es ins Amerikanische über­setzt und dann folgt die fran­zö­si­sche Version und es geht dann durch alle euro­päi­schen Landessprachen, außer Deutsch und Russisch.)
Alle (rufen wie­der­ho­lend im Chor): Umarmung mit Bruderkuss!
(Deutscholaf geht auf Kasperle Puti zu und will ihn umar­men und bru­der­küs­sen, aber Kasperle Puti blickt stein­hart in die Kameras.)
Kasperle Puti: Niet Bruderkuss, niet Umarmung, bei Corona Pandemie nix gut. Nix gut! Müsse ach­te Abstandsregel.
Deutscholaf: Kommst du mir mit der Abstandsregel, komm ich dir mit dem Mundschutz.
(Stolz lächelnd zieht Deutscholaf den Mundschutz aus der Brieftasche, fal­tet ihn auf und setzt ihn auf. Alles lacht, denn der Mundschutz ist schwarz-rot-gold. Kasperle Puti lacht, schlägt sich auf die Schenkel und setzt sich an das obe­re Ende des lan­gen Tisches. Deutscholaf setzt sich an das ande­re Ende des ova­len Langtisches. Wegen des Blitzlichtgewitters, den sur­ren­den Kameras und den lär­men­den Bediensteten, die einen Piccolo Krimsektchen in die Mitte des Tisches stel­len, ist es ziem­lich laut und die bei­den Staatsmänner müs­sen schrei­en, um sich zu verständigen.)
Kasperle Puti (schreit): Wie fin­dest du mei­nen wei­ßen ova­len Tisch?
Deutscholaf (ruft): Wie lang ist eigent­lich die­ser Tisch?
Kasperle Puti (sou­ve­rän): Sechs Meter Luftlinie!
Deutscholaf: Au haua! Das ist aber lang!
(Dann end­lich kom­men sie zur Sache.)
Deutscholaf: Wenn ihr Russen wei­ter an der pol­ni­schen Grenze auf­mar­schiert, gibt es Sanktionen, aber sol­che Sanktionen, die sich gewa­schen haben!
(Verwirrung bei den Dolmetschern, die gewa­sche­ne Sanktionen weder ver­ste­hen noch über­set­zen kön­nen, aber Deutscholaf ist das egal. Er holt einen Spielzeugpanzer aus der Tasche, zieht ihn auf und lässt ihn über den Langtisch Richtung Kasperle Puti pan­zern. Kasperle Puti springt wütend auf, schlägt mit der Faust auf den Tisch und holt eine fahr­ba­re Spielzeugrakete aus sei­nem Gewand.)
Kasperle Puti: Ich mar­schie­re noch heu­te in Belarus ein.
(Deutscholaf springt auf und schlägt eben­falls auf den Tisch und ver­staucht sich dabei die Fingerknöchel.)
Deutscholaf (schreit): Gib mir sofort die Krim zurück!
Kasperle Puti: Nitschewo!
(Danach ste­hen die bei­den Staatsmänner in Pose an ihren Tischenden. Die Rakete fliegt Richtung Panzer, der biegt ab, fällt vom Tisch, ein Geheimdienstler, der unterm Tisch gelau­ert hat, fängt den Panzer wort­los auf, die Rakete fliegt ins Leere und zer­schellt an der Krim-Sektflasche.
Die Fotografen müs­sen mit Weitwinkel die bei­den Kontrahenten aufnehmen.
Dann ist Waffenruhe und die bei­den Staatszwerge fra­gen sich, wie es weitergeht.
In die­sem Moment tritt über­ra­schend und reich­lich unge­fragt der Europachor auf. Das signi­fi­kan­te die­ses Chores ist es, dass er sehr durch­ein­an­der­ge­wür­felt aus­sieht. Kleine Menschen, gro­ße Menschen, dicke Menschen, dün­ne Menschen, Frauenmenschen, Männermenschen und unent­schie­de­ne Menschen sin­gen alle wild durcheinander:
Kleiner Europäerchor (besorg­nis­er­re­gend): Die Lage ist besorg­nis­er­re­gend … besorg­nis­er­re­gend … ver­dammt besorgniserregend!
Großer Europäerchor (stirn­run­zelnd): Wir for­dern die Deeskalation … Deeskalation … die sofor­ti­ge Deeskalation!
Dicker Europäerchor (ernst­mi­misch): Wir dro­hen mit Sanktionen … Sanktionen … Sanktionen, die weh tun!
Dünner Europäerchor (ent­rüs­tet): Wir erwä­gen har­te Sanktionen … har­te Sanktionen … har­te Sanktionen, die fol­gen­schwer sind!
Frauenmenschenchor (spitz­lip­pig): Wir wol­len bru­ta­le Sanktionen … bru­ta­le Sanktionen … bru­ta­le Sanktionen, die wirk­lich bru­tal sind!
Männermenschenchor (ver­är­gert): Wir ver­hän­gen schmerz­haf­te Sanktionen … schmerz­haf­te Sanktionen … schmerz­haf­te Sanktionen, vor denen alle Angst haben!
Unentschiedener Menschenchor (mit lee­rem Gesichtsausdruck): Wir set­zen auf Dialogbereitschaft … Dialogbereitschaft … Dialogbereitschaft bis zum Umfallen!
(Wieder hört man ein Blitzlichtgewitter, die Kameras sur­ren lau­ter denn je. Die Bilder gehen um die Welt.
Krieg gibt es wahr­schein­lich kei­nen, aber nichts Genaues weiß man nicht.
Die Musik verklingt.
Alle ver­las­sen den Raum. Massenweise Bedienstete erschei­nen mit Staubsaugern, Wischtüchern, Putzeimern und machen sauber.
Das Licht geht aus.)

- Ende der drit­ten Szene -

Fortsetzung folgt …

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