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Die Affen kommen

„Ach, das ist doch nichts als Panikmache“, dachte ich neulich, als die Meldungen sich überschlugen, dass die Affenpocken wieder auf dem Vormarsch seien. Zwar ziemlich wenig, aber genug für Panikmache. Als Randmeldung kam, dass seit fünfzig Jahren ein profunder Impfstoff gegen Affenpocken zur Verfügung stehe, da dieses Phänomen schon wohlbekannt sei.
Ich lächelte arrogant das scheinbar aufgeblasene Problem zur Seite und gönnte mir an einem der seltenen schönen Mai-Morgende ein üppiges Frühstück auf meinem Balkon. Ach, wie ich das liebe! Neben einem kleinen Campingtischchen mich in meinen Campingstuhl zu setzen, in die Sonne zu blinzeln und mein von mir selbst liebevoll zubereitetes Frühstück zu verzehren.
Vielleicht sollte ich kurz beschreiben, was für mich liebevoll zubereitetes Frühstück bedeutet und womit ich die übers Land hereingeschwappte Panikmache mir ausreden wollte. Also: Neben dem Kübel mit schwarzem Kaffee, schwarz wie die Sünde, stand ein Glas Cognac und zur flankierenden Maßnahme ein Sliwowitz, um die müden Geister aufzuwecken. Als Speise ein ofenfrisches Croissant, dazu noch einen morgendlichen Rotwein – wegen der frühen Tageszeit mit ein paar Tropfen Mineralwasser verdünnt.
Nach dem gelungenen Frühstück fletzte ich mich in meinen Campingstuhl und überließ mich meinen wohligen Tagträumen. Doch halt, sie waren gar nicht wohlig. Ich wollte sie wohlig, hatte sie wohlig geplant, ja, hatte mich hineinentspannen wollen in eine Welt des Wohlgefühls. Aber halt, was war das? Hatte sich die Panikmache doch bei mir verfangen? Es schossen jetzt aus meinem Unterbewusstsein dunkle Bilder hervor, gegen die ich mich nicht mehr wehren konnte und denen ich mich willenlos ergeben musste.
Plötzlich sah ich überall Affen. Wirklich! Dunkelhaarige Affen in menschlichen Anzügen, Kleidern, Uniformen.
Gerade konnte ich noch die Tatsache, dass ich mehr als ein Glas Cognac getrunken hatte, verfluchen, da schwemmte mich die Bilderflut einfach weg. Nachrichtensprecher krächzten in Affenstimmen auf mich ein, so dass ich nichts mehr verstand. Politische Reden wurden von Affen gehalten. Und ich konnte nur an der Kleidung erkennen, ob es sich um Männchen oder Weibchen handelte. Und wie beim Menschen hatten alle Affen die gleichen Rechte, Pflichten, Freuden und Leiden. Sogar der Bundeskanzler war ein Affe geworden. Das konnte doch nicht sein, oder? Polizisten erschienen als in Uniformen verkleidete Affen. Oh mein Gott, Hilfe! Alle staatstragenden Personen, die ich in meiner Vorstellung sah, waren zu Affen mutiert.
Als dann auch noch die Präsidenten der größten Staaten dieser Welt in Affenform erschienen, war es mir zu viel. Ich atmete mich gewaltsam aus diesem Horrorszenario heraus, erhob mich zugegebenermaßen leicht torkelnd und musste mich am Balkongeländer festhalten. Und gerade, als ich froh war, dass alles nur ein Traum war, blickte ich auf meine Hände und konnte es nicht fassen: Sie waren dicht und schwarz behaart.

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