Tel. 0163 76 55 881
Überspringen zu Hauptinhalt

Das hässliche Covidlein

Nachdem ich fünf der bekanntesten grimmigen Märchen (haha, Sprachscherz, ich meine natürlich Grimmsche Märchen) coronamäßig gedeutet habe, ist mein Augenmerk zufällig auf die Kunstmärchensammlung von Hans Christian Andersen gestoßen. Und was finde ich da? Das hässliche Entlein!

Und was denke ich da? Hui, wie das passt!

Und um meine Herleitung transparent zu gestalten, will ich der geneigten Leserin und dem ebenso geneigten Leser das von Andersen sehr weitschweifig erzählte Märchen aus Zeitersparnisgründen enorm verkürzt auf seinen faszinierenden Kern reduziert wiedergeben. Also, los geht’s! Das Märchen „Das hässliche Entlein“ von H.C. Andersen von J. Galli aufs Wesentliche verkürzt zusammengefasst: Eine Entenmutter brütet sieben Eier aus, davon ist eins größer als die andern. Aber Mutter ist Mutter, und sie brütet alles aus, was ihr in die Quere kommt. Nach der vorgeschriebenen Brütezeit schlüpfen sechs kleine Entlein aus den Eiern, und dann schlüpft auch das siebte aus dem Ei, aber das ist ein Schwanlein. Die Entlein erkennen nur, dass das andere fremd ist, und können die Folgen des gewaltigen Wachstums, das im Fremden liegt, nicht abschätzen. Dementsprechend wird das Schwanlein von den Entleins gedisst. So wird’s immer gemacht: Das Andersartige, das Fremdartige wird verhöhnt und ausgeschlossen. Ein tiefes Verständnis wird erst gar nicht versucht.

Zuerst wird das kleine, hässliche Schwanlein ausgelacht, weil es nicht so aussieht wie die anderen Entlein. Und natürlich hacken diese Entlein im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Andersartigen herum. In seiner Not zieht sich das Schwanlein in Isolation zurück und sucht die Quarantäne, um sich zu schützen. Es wächst heran und wird ein schöner, stolzer Schwan, der die Enten überragt.

Nun ist guter interpretatorischer Rat teuer. Ich mache hier einen mehr oder weniger geschickten Gedankenschlenker und stelle mir einfach die Frage: Was sind weltweit eigentlich die positiven Folgen von Corona? Und die Antwort liegt auf der Hand: Aus dem anfänglich Hässlichen, Gefährlichen und nicht Einschätzbaren wird am Ende doch etwas Schönes, Großes. Das also ist der Kern des Märchens und der Kern der Pandemie.

Jetzt schlagen sich die überraschte Leserin und der erstaunte Leser die Hand vor die Stirn, schütteln ungläubig den Kopf und fragen sich: „Was um Gottes willen sollen denn die positiven Folgen dieser Pandemie sein?“

Und nun trumpfe ich auf! Denn ich wäre nicht ich, wenn ich keine Antwort parat hätte. Achtung, jetzt kommt’s: Die Welt wird wesentlicher. Keine lärmenden Feste mehr, keine Feiern mehr, die im Alkohol- und Drogenrausch enden. Kein unnötiges hemmungsloses Herumgereise, keine wilden und unüberlegten Paarungen allüberall. Keine riesigen Volks-, Fasnachts- oder Sportfeste. Und endlich werden kleinere Unternehmen staatlich unterstützt, und vor allem – juchee – die Künstler kriegen Finanzspritzen für ihre kreativen Projekte. Keine Militärparaden mehr und auch keine Kriege mehr. Der Mensch wird wesentlich, kontaktbewusst, respektvoll und hygienisch, wohlduftend.

Ach, was für ein Happy End! Wie schön wäre es, wenn das Virus sich wieder zurückzöge, nachdem die Menschheit die Lektion gelernt hat. Ja, Märchen können verändern, wenn man an sie glaubt!

Mit dieser sechsten und letzten Märcheninterpretation ende ich meine Reihe mit einem fulminanten, furiosen und glücklichen Ende: Die Welt wird besser!

Autor: Johannes Galli | Geschrieben für die Zeitschrift “Lebens(t)räume

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Lieber Johannes, deine Schlussfolgerung kann nur stimmen. Und mir fallen noch ein paar Lichtblicke ein: wir latschen uns nicht mehr in unserer Aura herum, und viele Prügeleien auf dem Schulhof dürften auch wegfallen. Wir genießen die wenigen echten Umarmungen tief und innig.
    Danke für deine Interpretation und dass du immer noch in meinem Leben bist! Herzliche Grüße

  2. Lieber Johannes, Du schreibst es wunderbar, wovon ich ebenfalls überzeugt bin. Nichts existiert auf dieser Welt ohne eine andere Seite. In jedem Gift steckt, hoch genug verdünnt, ein grandioses Heilmittel…. Ganz liebe Grüße! Deine Selma

Schreibe einen Kommentar zu Selma Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

An den Anfang scrollen