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Das hässliche Covidlein

Nachdem ich fünf der bekann­tes­ten grim­mi­gen Märchen (haha, Sprachscherz, ich mei­ne natür­lich Grimmsche Märchen) coro­na­mä­ßig gedeu­tet habe, ist mein Augenmerk zufäl­lig auf die Kunstmärchensammlung von Hans Christian Andersen gesto­ßen. Und was fin­de ich da? Das häss­li­che Entlein!

Und was den­ke ich da? Hui, wie das passt!

Und um mei­ne Herleitung trans­pa­rent zu gestal­ten, will ich der geneig­ten Leserin und dem eben­so geneig­ten Leser das von Andersen sehr weit­schwei­fig erzähl­te Märchen aus Zeitersparnisgründen enorm ver­kürzt auf sei­nen fas­zi­nie­ren­den Kern redu­ziert wie­der­ge­ben. Also, los geht’s! Das Märchen „Das häss­li­che Entlein“ von H.C. Andersen von J. Galli aufs Wesentliche ver­kürzt zusam­men­ge­fasst: Eine Entenmutter brü­tet sie­ben Eier aus, davon ist eins grö­ßer als die andern. Aber Mutter ist Mutter, und sie brü­tet alles aus, was ihr in die Quere kommt. Nach der vor­ge­schrie­be­nen Brütezeit schlüp­fen sechs klei­ne Entlein aus den Eiern, und dann schlüpft auch das sieb­te aus dem Ei, aber das ist ein Schwanlein. Die Entlein erken­nen nur, dass das ande­re fremd ist, und kön­nen die Folgen des gewal­ti­gen Wachstums, das im Fremden liegt, nicht abschät­zen. Dementsprechend wird das Schwanlein von den Entleins gedisst. So wird’s immer gemacht: Das Andersartige, das Fremdartige wird ver­höhnt und aus­ge­schlos­sen. Ein tie­fes Verständnis wird erst gar nicht ver­sucht.

Zuerst wird das klei­ne, häss­li­che Schwanlein aus­ge­lacht, weil es nicht so aus­sieht wie die ande­ren Entlein. Und natür­lich hacken die­se Entlein im wahrs­ten Sinne des Wortes auf dem Andersartigen her­um. In sei­ner Not zieht sich das Schwanlein in Isolation zurück und sucht die Quarantäne, um sich zu schüt­zen. Es wächst her­an und wird ein schö­ner, stol­zer Schwan, der die Enten über­ragt.

Nun ist guter inter­pre­ta­to­ri­scher Rat teu­er. Ich mache hier einen mehr oder weni­ger geschick­ten Gedankenschlenker und stel­le mir ein­fach die Frage: Was sind weltweit eigent­lich die posi­ti­ven Folgen von Corona? Und die Antwort liegt auf der Hand: Aus dem anfäng­lich Hässlichen, Gefährlichen und nicht Einschätzbaren wird am Ende doch etwas Schönes, Großes. Das also ist der Kern des Märchens und der Kern der Pandemie.

Jetzt schla­gen sich die über­rasch­te Leserin und der erstaun­te Leser die Hand vor die Stirn, schüt­teln ungläu­big den Kopf und fra­gen sich: „Was um Gottes wil­len sol­len denn die posi­ti­ven Folgen die­ser Pandemie sein?“

Und nun trump­fe ich auf! Denn ich wäre nicht ich, wenn ich kei­ne Antwort parat hät­te. Achtung, jetzt kommt’s: Die Welt wird wesent­li­cher. Keine lär­men­den Feste mehr, kei­ne Feiern mehr, die im Alkohol- und Drogenrausch enden. Kein unnö­ti­ges hem­mungs­lo­ses Herumgereise, kei­ne wil­den und unüber­leg­ten Paarungen all­über­all. Keine rie­si­gen Volks‑, Fasnachts- oder Sportfeste. Und end­lich wer­den klei­ne­re Unternehmen staat­lich unter­stützt, und vor allem – juchee – die Künstler krie­gen Finanzspritzen für ihre krea­ti­ven Projekte. Keine Militärparaden mehr und auch kei­ne Kriege mehr. Der Mensch wird wesent­lich, kon­takt­be­wusst, respekt­voll und hygie­nisch, wohl­duf­tend.

Ach, was für ein Happy End! Wie schön wäre es, wenn das Virus sich wie­der zurück­zö­ge, nach­dem die Menschheit die Lektion gelernt hat. Ja, Märchen kön­nen ver­än­dern, wenn man an sie glaubt!

Mit die­ser sechs­ten und letz­ten Märcheninterpretation ende ich mei­ne Reihe mit einem ful­mi­nan­ten, furio­sen und glück­li­chen Ende: Die Welt wird bes­ser!

Autor: Johannes Galli | Geschrieben für die Zeitschrift “Lebens(t)räume

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Lieber Johannes, dei­ne Schlussfolgerung kann nur stim­men. Und mir fal­len noch ein paar Lichtblicke ein: wir lat­schen uns nicht mehr in unse­rer Aura her­um, und vie­le Prügeleien auf dem Schulhof dürf­ten auch weg­fal­len. Wir genie­ßen die weni­gen ech­ten Umarmungen tief und innig.
    Danke für dei­ne Interpretation und dass du immer noch in mei­nem Leben bist! Herzliche Grüße

  2. Lieber Johannes, Du schreibst es wun­der­bar, wovon ich eben­falls über­zeugt bin. Nichts exis­tiert auf die­ser Welt ohne eine ande­re Seite. In jedem Gift steckt, hoch genug ver­dünnt, ein gran­dio­ses Heilmittel.… Ganz lie­be Grüße! Deine Selma

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