Rollenwechsel

 

♦ Die Lebensenergie, die jedem von uns innewohnt und die uns mit Lebenslust versorgt, wächst dann an, wenn sie fließt. Durch ihr Fließen nämlich verhält sie sich analog zu allen kosmischen Prozessen, die sich im dauernden Fluss befinden.
Nun ist es uns Menschen in dieser Gesellschaft, die Starre, Sicherheit und eherne moralische Gesetze fordert, nicht vergönnt, dauernd in die momentanen Situationen hinein- und mitzufließen.
Völker und Kulturgemeinschaften aus allen Zeiten haben Verhaltensmaßnahmen entwickelt, die der Lebensenergie Formen geben sollen. Diese Formen nenne ich Rollen, von denen jeder einzelne Mensch im Verlauf seines Lebens mehrere annimmt und so gut wie möglich zu spielen sucht. Es stehen also der Lebensenergie die verschiedensten Rollen zur Verfügung, je nach Bedarf.
Um es einmal über Schwingungen zu erklären: Langsamere Schwingungen oder langwellige (vgl. langweilige) und schnellere, kurzwelligere (vgl. kurzweilige) Schwingungen stehen jedem Menschen zur Verfügung.
Vielleicht ist es am besten, wenn ich durch eine Reihe von Beispielen erläutere, was ich unter Rollen spielen verstehe und wie weit ich diesen Begriff fasse. Die erste Rolle, die ich selbst wohl ziemlich unbewusst gespielt habe, war: Das Baby. Meine Rollenvielfalt war damals ziemlich beschränkt: Schreiend, saugend, schlafend, strampelnd, lächelnd… Als nächste Rolle bot sich mir: Das kleine Kind, dann der Junge, dann der Schuljunge, dann der Pubertierende, der junge Mann, der Freund, der Verliebte, dann der Soldat, der Student, der Ehemann, der Vater…
Jeder begreift, dass sich diese Reihe beliebig fortsetzen ließe. Aber es geht mir nicht um eine umfassende Übersicht über alle möglichen Rollen, sondern ich möchte klarstellen, was ich unter diesem Begriff verstehe. Wie ein Baum, der die unteren, dicken Äste ebenso versorgt wie die feinen Knospen ganz oben an der Spitze, versorgt die Lebensenergie die verschiedenen Ebenen und deren jeweils vielfältige Rollen mit Kraft, damit dort Wachstum und also auch Veränderung entstehen kann. Beim Menschen verhält es sich ähnlich.
Nun kommen wir zum springenden Punkt. Dieser Punkt ist das Ziel meiner gesamten Theaterarbeit. Wenn unsere Lebensenergie in die verschiedenen Ebenen des menschlichen Seins fließt, wo ist dann das Steuersystem, das diese Energie lenkt? Konkret gefragt: Welche Instanz in mir regelt das Umschalten, wenn beispielsweise in einer Gesprächssituation mit meinem Chef ein Angestellter vorbeiläuft und ich plötzlich von unterwürfig-demütig auf souverän-herrschend umschalten muss?
Dieses Steuersystem müssen vor allem wirkliche Schauspieler beherrschen, ebenso wie erfolgreiche Menschen.
 Wenn wir uns in Rollen hineinbegeben, so spüren wir, dass wir dies richtig, das heißt mit voller Kraft tun müssen… (Fortsetzung folgt)

(Aus: Johannes Galli, „Persönlichkeit durch Rollenwechsel – Der Kern der Galli Methode®“)

Ein Kommentar zu “Rollenwechsel
  1. Charlotte de la Pointe sagt:

    Üben Üben Üben

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