Rollenwechsel (Fortsetzung)

 

♦ (…) Nun wende ich mich der Erfahrung zu, die wirkliche Schauspieler machen: Je mehr Rollen sie spielen, umso mehr Kraft bekommen sie. Und dies geschieht aus folgendem Grund: Wann immer sich ein Mensch aus einer Rolle zurückzieht, um sich in eine neue Rolle hineinzubegeben, so zieht er sich für einen kurzen Moment bis tief in seinen inneren Kern zurück. Dort wirder also mit seinem Kern, seinem Zentrum, mit seinem Wesen Kontakt aufnehmen. Und von dort aus bewegt er sich dann wieder hinaus in die neue Rolle. Die Stärkung geschieht also dadurch, dass der Mensch mit seinem Innersten in Berührung kommt. 
Jede Berührung mit dem Innersten gibt Kraft. Wieso ist das so?
Nun möchte ich diesen Prozess, den ich eben bereits geschildert habe, zum besseren Verständnis in ein Bild bannen: Ein Mensch lebt beispielsweise in einem großen, runden Zimmer. Dieses runde Zimmer hat achtundzwanzig Türen, durch die er nach außen treten kann. Wenn er durch eine Tür nach außen treten will, hängen dort im Türrahmen entsprechende Kostüme, die er anziehen kann, um jede dieser achtundzwanzig Rollen überzeugend spielen zu können. Wann immer also der Mensch eine neue Rolle korrekt erfassen will, muss er von seinem runden Zimmer aus durch eine Tür hinaus ins Leben. Kehrt er von seinem Auftritt wieder zurück, so geht er selbstverständlich wieder durch die Tür zurück, durch die er bereits herausgekommen ist. In seinem innersten Zimmer wieder angekommen besinnt er sich kurz, hält inne und tritt dann durch eine neue Tür, in der das neue Kostüm hängt, das er anzieht, um so hinauszutreten, wie es seine Rolle gebietet.
Viele Menschen haben damit Probleme, die Tür zu öffnen, um einzudringen in ihr Innerstes und von dort wieder nach außen zu gehen. Viele Menschen ziehen es vor, dass sie ihr Leben auf einer oberflächlichen Ebene, das heißt vor den Türen, vollziehen.
Wirkliches Theater soll bewirken, dass der Mensch Bewusstsein dafür erlangt, welche Rollen er im wirklichen Leben spielt und wie er durch bewusstes Rollenspiel und bewussten Rollenwechsel eine höhere Lebensqualität erreicht.

(Auszug aus: Johannes Galli, „Persönlichkeit durch Rollenwechsel – Der Kern der Galli Methode®“.)

Ein Kommentar zu “Rollenwechsel (Fortsetzung)
  1. Michael Wenk sagt:

    Ich muss es also schaffen, mich nicht unter Druck setzen zu lassen, damit „Besinnung und Innehalten“ – also ein wirklicher Rollenwechsel- gelingen können. Und dieses runde Zimmer darf nur mir gehören, da darf sonst niemand drin sein im Innersten.

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