Der Wandelpunkt

 

♦ Der Wandelpunkt ist jener dynamische Punkt, in dem die alte Handlung gerade abgeschlossen wird und die neue gerade anhebt, sich zu gestalten.
Es ist beispielsweise jener Moment, in dem der Atem eingeströmt ist, kurz angehalten wird und danach das Ausatmen einsetzt. Die alte Handlung ist abgeschlossen, der Plan für die neue Handlung ist bereits ins Bewußtsein gedrungen aber noch nicht in die Tat umgesetzt worden. Dieser Wandelpunkt markiert die höchste Spannung. Um es einmal gewaltig zu formulieren: Im Wandelpunkt treffen sich Himmel und Erde. Die abgeschlossene Handlung stellt in diesem Beispiel die Materie dar, und der neue Plan stellt den Geist dar. Diese Spannung, in der sich Geist und Materie gegenüberstehen, ist enorm kreativ. Der Geist entwirft bereits einen neuen Plan und fordert von der Materie die Gestaltung dieses Plans, damit der Geist sich selbst in der Materie wiedererkennt. Die Materie aber leistet Widerstand, weil sie gerade eben eine ­andere Haltung, eine andere Geistidee vollendet hat und in ihrer Trägheit verharren will. Für diesen Vorgang Bewußtsein zu schaffen, ist höchste Lebens- und Schauspielkunst. Um den Wandelpunkt zu erleben und in seiner enormen Spannung auszuhalten, um das kreative Potential, das er erhält, zu erfahren, habe ich eine ganze Reihe von Übungen entwickelt. Seien es meine Tanzmeditationen, Kommunikationstheater oder bewußtseinserwei­ternde Körperspracheübungen, immer geht es darum, sich des Wandelpunktes bewußt zu werden. Der Wandelpunkt ist jener Punkt, in dem aus der Spannung zwischen Geist und Materie heraus Kreativität spontan geschieht.

(Aus: Johannes Galli, „GAME – Die Galli Methode®“)

3 Kommentare zu “Der Wandelpunkt
  1. Charlotte de la Pointe sagt:

    Dem Wandelpunkt gehört viel mehr Aufmerksamkeit.Sozusagen eine wissenschaftliche Untersuchung.

  2. Gabriele sagt:

    Das ist ein einzigartiger Text, der so präzise beschreibt, was mit jedem Atemzug vor sich geht. Wenn wir den Wandelpunkt bewusst erleben könnten, wären wir ja absolut kreative Menschen. Aber ich merke, dass ich viele Wandelpunkte unbewusst verstreichen lasse. Ich habe den Eindruck, dass ich dann Handlungsimpulsen folge, die keine Geistesqualität haben, sondern aus einer anderen Ebene kommen, nämlich dem „Keller“.
    Kann das so sein?

  3. Monika Tisowsky sagt:

    ja, das kann so sein, liebe Gabriele.

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