Der Letzte Lehrer: 14. Sich selbst definieren


Wieder einmal saßen der Letzte Lehrer und seine wenigen Schüler zusammen. Gemeinsam hatten sie einen Spaziergang entlang eines mächtigen Flusses gemacht. Sie hatten an einer schönen Uferstelle beschlossen, eine Rast zu machen, um ihre mitgebrachten Früchte zu verzehren. Eine ganze Weile hatten sie alle auf das träge dahinfließende Wasser geblickt und das hatte sie in Fluß gebracht.
Nun saßen sie im Kreis und der Letzte Lehrer wartete auf die begeistert gestellte Frage, die er gerne beantworten wollte.
Da fragte ein Schüler: „Du sprichst viel über Rollenwechsel und wie man seine Rolle wechseln sollte und dabei viel Energie erzeugt. Ich aber habe das Problem, daß ich oft gar nicht weiß, in welcher Rolle ich mich befinde.“
Der Letzte Lehrer lobte den Schüler, als er sagte: „Du beschreibst hier sehr gut ein Problem, das viele Menschen haben. Sie beschreiben ihre Rolle, die sie einnehmen, nicht, sondern warten darauf, bis andere ihnen eine Rolle zuweisen. Sehr häufig fühlt ihr euch als Opfer der Umstände und beweist euch selbst mit enormem Geschick, daß ihr an der Situation, in die ihr ‘zufällig’ hineingeraten seid, nun wirklich nichts ändern könnt. Wuchtig beschreibt ihr, wie das Leben euch an die Wand gedrückt hat. Viel Energie verschwendet ihr darauf, eure Situation so zu schildern, daß ihr für diese geschilderte Situation keine Verantwortung tragt. Dabei wäre es doch viel einfacher, mit der entsprechenden Demut die Situation anzunehmen und in diesem Moment ihre Lösung zu entdecken. Aber das gelingt euch nicht, da ihr euch abhängig macht von der Rolle, die euch von außen zugewiesen wurde. Wer allerdings seine Rolle selbst definiert, wer selbst bestimmt, welche Rolle er in dem großen Spiel des Lebens einnehmen will, der trägt zwar die volle Verantwortung, aber das Gute daran ist, daß er selbständig die Rolle umgestalten kann. Er kann seine Rolle den Anforderungen des Lebens anpassen. Wer sich von anderen definieren läßt, hat nur noch die Möglichkeit, die zugewiesene Rolle anzunehmen oder abzulehnen.“
Die Schüler nahmen sich vor, die Rolle, die sie einnehmen wollten, von nun an selbst zu bestimmen. Im Moment aber wollten sie abwarten, welche Rolle der Letzte Lehrer ihnen zuweisen würde, und dann würden sie entscheiden, ob sie diese Rolle annehmen würden oder aber nicht.

 

Veröffentlicht unter Blog, Der Letzte Lehrer
4 Kommentare auf “Der Letzte Lehrer: 14. Sich selbst definieren
  1. Charlotte de la Pointe sagt:

    Die Menschen sind halt so

  2. Monika Tisowsky sagt:

    Rollenbewusstsein ist auch eines meiner hohen Ziele.

  3. deine ersten Rolle war die Erwartung,
    als du noch nicht geboren warst.

    deine zweite Rolle war die Verzweiflung,
    als du blind aus tiefste Gewässer,
    angeschwommen kammst.

    deine dritte Rolle war die der Sorge,
    ob und wie du auch und auch du,
    in der Welt und im Leben bleibst.

    deine vierte Rolle war die der Freude,
    ob gross ob klein, als du aufblicktest,
    rumtobtest, durchschliefest, zutrautest,..

    deine fünfte Rolle war die der Freiheit,
    die du dir schrittweise erobert hast,
    in Hass und auch in Liebe,
    bis alles zusammen hat gepasst.

    in deiner sechsten Rolle kannst du schauen,
    innehalten, umschauen und vorausblicken,
    wenn du Erfahrung mit der Bühne hast..
    viel Spass dabei.

  4. Pia Magdalen sagt:

    …und wenn du mal eine andere Rolle als die von dir erwartete spielst, kommt dir ganz schön Gegenwind entgegen. Aber hallo!

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