Das Netz

 

♦ Der Spieler erscheint auf der Bühne und sogleich bildet seine Vorstellungskraft die Bilder der Geschichte, die er darstellen will.
Wie ein feines Netz aus Maschendraht stülpt der Spieler seine Geschichte über das Publikum.
Die entscheidende Herausforderung für den Spieler ist es nun, dieses Netz mit „menschlicher Elektrizität“ aufzuladen, was er dadurch vollbringt, daß er die Spannung zwischen den beiden Polen seines Spiels, dem positiven und dem negativen erhöht. Dies macht er so, daß er sehr starke Extreme spielt, die sich polar gegenüberliegen.
Holt der Spieler seine polaren Gegensätzlichkeiten, die er darstellt, bewußt aus seiner Lebenserfahrung, dann fließt ein ­hoher Teil seiner Lebenskraft als Strom in den übers Publikum gespannten Maschendraht und lädt ihn dermaßen auf, daß die Spannung im ganzen Raum spürbar steigt.
Es ist also die Aufgabe des Regisseurs, eine Geschichte für den Spieler zu entwickeln, in der der Spieler seine Lebenskraft als polare Kräfte seiner eigenen Lebensgeschichte erlebt.
Wenn der Spieler es schaffen könnte, in diesen eigenen polaren Strukturen kosmische Energiemuster zu entdecken, so daß dem Maschendraht ein kosmisches Muster zugrundeliegen würde, dann würde das Drahtnetz nicht nur alleine durch die Lebenskraft des Spielers sondern auch durch kosmische Kräfte nach dem Ähnlichkeitsprinzip aufgeladen werden, und durch den Spieler hindurch könnten kosmische oder anders ausgedrückt göttliche Kräfte auf das Publikum wirken.

(Aus: Johannes Galli, „GAME – Die Galli Methode®“)

3 Kommentare zu “Das Netz
  1. Charlotte de la Pointe sagt:

    Eine faszinierende Schilderung der Essenz der wahren Schauspielkunst

  2. reckhardt sagt:

    Was für ein großer Spieler, der das vollbringt. Theaterspiel wird Gottesdienst.

  3. Was ist ein kosmisches Energiemuster? Wie sehen diese aus?

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